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Ethik ist
das systematische Studium der Frage nach gutem und schlechtem menschlichem
Handeln.
Wesentlich für die Wissenschaftlichkeit dieses Unternehmens ist das
schlüssige Argument – nicht etwa Meinungen, Geschmack oder persönliche
Vorlieben. Standpunkte sollen begründet und verteidigt werden, logisch
konsistent und allgemein nachvollziehbar sein. Dieser hier angedeuteten
Methode wissenschaftlichen Arbeitens und damit verbunden der
wissenschaftlichen Redlichkeit fühlt sich die Arbeitsgemeinschaft
Tierethik verpflichtet und es ist ihr ein zentrales Anliegen, ein
Bewusstsein von der Notwendigkeit dieser Arbeitsweise im teils noch sehr
emotional geführten ethischen Diskurs zu etablieren.
Im Speziellen die Tierethik ist nun also das systematische
Studium der Frage, wie wir uns gegenüber nichtmenschlichen Tieren
verhalten sollten und somit begrifflich streng zu unterscheiden von
Tierschutz und Tierrecht insofern letztere in ihrer Arbeit bereits
voraussetzen, dass Tiere einen gewissen moralischen Status haben oder gar
Träger von natürlichen Rechten sind.
Diese und damit eng verknüpfte Fragen sind nicht zu verwechseln mit
juristischen oder religiösen Fragen.
„Wie ist nach geltendem Recht der private
Einsatz von Mäusefallen zu werten?“
| mag sich der Jurist fragen – die
Ethik fragt: |
| „Wie sollte das Gesetz
den privaten Einsatz von Mäusefallen werten?“. |
„Wie sind so
genannte Nutztiere nach herrschender religiöser Lehre des Buddhismus,
Hinduismus, Islam, Christentums oder Judentums zu behandeln?“
| mag sich der Theologe fragen –
die Ethik fragt: |
| „Welches ist der moralische
Status der Nutztiere und welche Ge- und Verbote folgen daraus für
den Menschen hinsichtlich deren Behandlung?“. |
Ferner sind
tierethische Fragen zu unterscheiden von naturwissenschaftlichen Fragen.
So fragt die Tierethik nicht:
| „Ist es möglich,
Herzklappen für den Menschen an Hausschweinen zu testen?“. |
| Sondern: „Sollten wir
Herzklappen an Hausschweinen testen?“. |
Nichtsdestotrotz spielen juristische, theologische, naturwissenschaftliche
– insbesondere ethologische und physiologische – und des Weiteren
sozialwissenschaftliche und andere Überlegungen eine gewichtige Rolle für
eine fruchtbare Auseinandersetzung mit dem moralischen Status der Tiere
– nicht für die Gültigkeit der Argumente, wohl aber für die Wahrheit
deren Prämissen:
„Sind Fische, Insekten, … in der
Lage, Schmerz zu empfinden/zu leiden?“,
„Wie steht es um die wissenschaftliche Effizienz dieses oder jenes
Tierversuchs?“,
„Was ist ‚artgerechte’ Haltung?“,
„Wie bewerteten muslimische/jüdische Geistliche das Schächten nach
Betäubung?“,
„Sind obligatorische Versuche am toten Tier im Studium der
Humanmedizin verfassungsmäßig oder überwiegen Gewissensfreiheit und
Tierschutz die Wissenschaftsfreiheit?“,
„Was bedeutet der Einzug des Tierschutzes ins Grundgesetz für die
juristische Praxis?“ oder
„Wie steht es um die soziale Akzeptanz vegetarisch/vegan lebender
Menschen?“. |
Angesichts der unüberschaubar vielfältigen Implikationen, die
Veränderungen im gesellschaftlichen sowie akademischen Bewusstsein des
moralischen Status der Tiere nach sich ziehen könnten/würden, scheint uns
gegenwärtig insbesondere in diesem Teilgebiet der Ethik nichts notwendiger
als die Förderung von offenem Dialog, interdisziplinärer
Zusammenarbeit, Kooperation von Wissenschaft und außerakademischen
Gruppierungen und Institutionen sowie gesellschaftlicher Diskussion.
Nicht zuletzt steht im Mittelpunkt ganz allgemein die Förderung der
wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Mensch
und Tier.
Wer mit unseren oben genannten Intentionen und Grundsätzen übereinstimmt
oder sympathisiert, ist herzlich dazu eingeladen, in Kontakt mit
uns zu treten. Angesprochen sind hiermit sowohl Einzelpersonen als
auch Gruppen und Institutionen – insbesondere Studierende der Universität
Heidelberg und anderer Universitäten, Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, Geistliche, Lehrerinnen und Lehrer und Personen/Gruppen
aus Tierschutz, Tierrecht oder dem tiernutzenden Gewerbe.
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